Komplettlösungen

 

Warum beregnen?

Im Zuge der Sturmholzbewältigung des Orkans „Lothar“ wurde der Beregnung von Stammholz eine tragende Rolle, hinsichtlich der Qualitätserhaltung des Rundholzes und der Stabilisierung des Rundholzmarktes zugemessen.

sturmholzberegnung 01Stämme unter Dauerberieselung gegen den Pilzbefall: Nicht erst seit den katastrophalen Sturmschäden durch „Lothar“ schwören viele Förster auf feuchte Holzstöße an Bach- und Flussläufe. Um Folgeschäden durch den Borkenkäfer gering zu halten und zum Schutz des Rohholzes habe sich die Nasskonservierung als wirkungsvollste Maßnahme erwiesen. Alle Erfahrungen aus vorangegangenen Stürmen belegen, dass nur bei sachgerechter Einlagerung, unter Berücksichtigung der Qualität des einzulagernden Holzes und der technischen Aspekte, die Aufwendung für die Nasslagerung wirtschaftlich vertretbar sind.

 

Das Prinzip des Nasspolter ist einfach: Der Feuchtigkeitsgrad ist wegen der ständigen Beregnung so hoch, dass sich in den Stämmen keine Pilzkulturen bilden können. Nach den Sturmserien im Februar 1990, als Vivian und Wiebke durch die Wälder fegten, sammelte man positive Erfahrungen mit den in Intervallen berieselten Poltern. Bis zu vier Jahre lang wurde das Holz besprüht, Moos und Gräser bildeten skurrile Hügel auf den Stämmen. Doch Abstriche in der Qualität sind keine zu befürchten. Das Holz ist tadellos weiß, ist leicht zu trocknen und gut zu hobeln.

 

Platzwahl
Unter Berücksichtigung der fixen Kosten, sollten geeignete Flächen mindesten 1 ha groß sein und mindestens eine Breite von 25 m aufweisen, damit die Polter rechtwinklig zum Weg gelagert werten können.
Ein wesentlicher Investitionsfaktor ist die Stromversorgung, da die Plätze in aller Regel mit Elektropumpe betrieben werden.

Der Abstand zwischen den Wegen leitet sich wie folgt her:
Wegbreite 4,5 m
Holzlänge 2 x 10 – 20 m
Abstand zwischen den Poltern und Weg 2 x 1 m
Abstand zwischen den Zopfenden zum Verlegen der Rohre 3,5 m
---------------------------------------------------------------------------------
Wegabstand insgesamt 50,0 m

sturmholzberegnung 02

Polterung
Es sollte nur frisches und gesundes Holz eingelagert werden. Chemisch schutzbehandeltes Holz darf keinesfalls in Nasslagerplätze deponiert werden. Die Polterung hat so zu erfolgen, dass die Stirnflächen optimal mit Wasser versorgt werden. Dies hat sich insbesondere eine einheitliche Polterfront, senkrecht oder nach besser nach hinten fliehend, wie auch ein sauberes Beisägen der Wurzelanläufe zur Vorraussetzung.

sturmholzberegnung 03

Faustzahlen:
Kapazität pro lfm Querpolter 30 – 35 Fm/lm
Kapazität Beregnungsplatz 1 ha 14.000 – 15.000 Fm/ha

Reine Polterfläche:
Kapazität pro ha Beregnungsplatz 11.000 – 12.000 Fm/ha (Minderung durch Wege)

 

Beregnung 
Die negativen Erfahrungen, die mit der Beregnung von Stammholz gemacht wurden, resultierten in den meisten Fällen aus einer unzureichenden Beregnung. Es ist daher zur Qualitätserhaltung zwingend erforderlich, dass das zur Beregnung vorgesehene Holzpolter vollständig erfasst wird (Oberfläche, Stirnflächen, Hohlräume, Polterflanken). Die Regneraufstellung ist so zu organisieren, dass eine entsprechende Windabdrift kompensiert wird.
In allen Fällen muss jedoch unbedingt die ausreichende und gleichmäßige Feuchte des gesamten Holzes gewährleistet sein!

Faustzahlen:
Stündliche Beregnungshöhe ca. 4 mm
Wasserverbrauch: 1.000 Fm = 1 l/sec

 

 

Technische Anlage

Wasserentnahme / Wiedereinleitung:
Die meisten Entnahmen erfolgen aus Fließ- oder Stehgewässern, sowie aus Tiefbrunnen. Das entnommene Oberflächenwasser sollte möglichst über die Vorflut dem Gewässer wieder zugeführt werden und nicht direkt ins Grundwasser versickern.
Zwar werden mit dem ständig rieselnden Wasser organische Substanzen aus dem Holz ausgewaschen, die den Sauerstoffhaushalt in Fließgewässern negativ beeinflussen könnten. Doch nach den Erkenntnissen der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft ist das nur in den ersten drei Monaten der Beregnung der Fall. Viele Gerbstoffe bleiben ohnehin im Boden und erreichen erst gar nicht Bach und Fluss.
Was dann im Endeffekt in den Gewässern ankommt, kann problemlos verkraftet werden, negative Auswirkungen auf die Gewässer sind nicht bekannt. Bisweilen sind sogar positive Effekte zu beobachten. Die Schicht aus Holz, Moos und Gras wirkt wie ein Filter. Das Wasser kommt sauberer in den Fluss als zuvor.

Pumpen:
Es werden überwiegend Unterwasserpumpen, aber auch Saugdruckpumpen eingesetzt. Beide Pumpetypen arbeiten zufriedenstellend, die Unterwasserpumpe hat allerdings den Nachteil, dass die Reinigung bei Verstopfungen aufwendiger ist, da die komplette Pumpe aus dem Entnahmeschacht bzw. dem Vorfluter entnommen werden muss.

Zur Herleitung der erforderlichen Pumpenleistung werden zwei Größen benötigt:

  • zu fördernde Wassermenge pro Stunde (Regnerzahl x Wasserverbrauch des Regners)
  • benötigte Förderhöhe der Pumpe in mWS (Meter Wassersäule, hierbei ist insbesondere die Höhendifferenz zwischen Wasserentnahmestelle und Pumpe, Reibungsverluste in der Saug- und Druckleitung, sowie die Höhendifferenz zwischen Pumpe und höchstem Regner zu summieren.

Es sollten jedoch Leistungsreserven von 20 – 30 % einkalkuliert werden, da unter Umständen weitere Regner angeschlossen werden müssen oder Kapazitätserweiterungen anstehen.
Bei regnerischen, feuchten und kühlen Tagen ist es mögliche die Polter mit einer Intervallsteuerung zu beregnen. Durch Steuerventile wird ca. alle 10 Minuten die Beregnung der Polter gewechselt. Die führt zur einer Energie- und Wasserersparnis bis zu 50 %.

 

Rohrleitungen und Regner


Metall-Schnellkupplungsrohre: i. d. R. 6 m Länge

  • leicht zu verlegen
  • leicht zu transportieren und zu lagern
  • Weiterverkauf i. d. R. problemlos möglich

sturmholzberegnung 04

 

PE-Schnellkupplungsrohre

  • etwas günstiger als Metall-Schnellkupplungsrohre

sturmholzberegnung 05

 

Polyethylen-Rohre: in Ringen von 50 – 100 m Länge

  • geringere Druckverluste in der Leitung
  • etwas geringere Frostempfindlichkeit
  • Kosten ca. 30 % geringer als Metallrohre
  • Weiterverkauf nach Abschluss der Beregnung schwierig
  • Sperrig, unhandlich; Auf- und Abbau gestalten sich schwieriger
  • Einsatz von PE-Rohre nur auf Dauerberegnungsplätzen wenn Rohre nicht laufend auf- und abgebaut werden müssen.

sturmholzberegnung 06

Regner:
Es werden vorwiegend Schwinghebel-Vollkreisregner eingesetzt. Zur Beregnung der Stirnflächen auch die Sektorregner mit Wendeeinrichtung. Eine Beregnung der Stirnflächen kann in der Regel auch durch die Regner des auf der anderen Seite des Fahrweges lagernden Polters erfolgen.
Gerade im Dauerbetrieb haben sich Regner aus 100 % Gussbronze bewährt, da eine Materialermüdung im Vergleich zu nicht anwendungsgerechten Regnern aus Buntmetall drastisch reduziert werden. Die Düse des Regners benötigt nur 1,15 m³/h Wasser bei geringen Druck von 3,5 bar und erreicht trotzdem eine Wurfweite von fast 15 m. Dadurch können selbst bei begrenzter Wassermengen noch Anlagen realisiert werden.
Die Beregnungshöhe sollte ca. 4 mm pro Stunde betragen, bei einer durchschnittlichen Beregnungsdauer von 8 – 10 Stunden pro Tag im Frühjahr und Herbst sowie 14 – 16 Stunden pro Tag im Sommer.

 

Faustzahlen Wasserverbrauch eines Regners bei 3,0 bar Druck:
4,5 mm Düse = 1,32 m³/Std.
5,0 mm Düse = 1,63 m³/Std.

Die Aufstellung der Regner in zwei Reihen pro Querpolter (19 - 20 m Stammlänge) im Dreiecksverband hat sich als ideal erwiesen.

sturmholzberegnung 07

 

Bei einseitiger Lagerung entlang eines Fahrweges ist das Anlegen eines separaten Beregnungsstranges erforderlich. Eine unerwünschte Beregnung des Straße oder Wegen kann durch das Anbringen von Abstrahlblechen an den Regnern verhindert werden.

sturmholzberegnung 08